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    Die Liebe und der Hass

     

    Kurz vor Mitternacht am Scheideweg, wo sich das alte Jahr vom Neuen verabschiedet, begegneten sich die Liebe in Gestalt eines Engels und der Hass in Gestalt eines Zwerges.

     

    Der Zwerg sah hinab zu all den Menschen, die feierten und sich auf das neue Jahr freuten. Er rümpfte die Nase und sprach verächtlich.

     

     „Ja feiert nur. Euch wird das Lachen bald vergehen. Nach Mitternacht schicke ich der Hass, all meine Schergen hinaus in die Welt. Der Unmut, die Missgunst und die Gewalt und alle seine Kreaturen warten nur darauf, sich weiter unter euch auszubreiten. Sie sind unsichtbar und halten Ausschau nach jeder Seele, die offen ist für unsere grausame Botschaft. Dann helfen wir Euch, die giftigen Worte und bösartigen Taten zwischen Euch zu vermehren. So werdet Ihr euch selbst immer weiter an den Abgrund treiben und dafür sorgen, dass diese Welt zu unserer Hölle wird, in der wir regieren!“

     

    Der Engel war still

    und schaute den Zwerg während seiner Rede mitleidig von der Seite an. Als der Zwerg geendet hatte und hämisch lachte, begann der Engel zu lächeln und erwiderte.

     

    „Ja sie feiern und lachen. Und das wird auch nach Mitternacht noch so sein. Denn ich werde Ihnen meine treuen Engelskinder zur Seite stellen. Im rechten Augenblick, wenn der Neid versucht, eine Seele zu vergiften, wird ein Engelskind sein Herz mit Nachsicht fluten. Wenn die Gewalt den Arm hebt, um Leid zuzufügen, wird ein Blick des Engelskindes den Menschen streifen und bis ins Herz treffen. Denn die Menschen sind geboren, um zu lieben und jedem Leben Schutz zu gewähren. Ich, die Liebe, werde dafür sorgen, dass immer mehr Menschenkinder den Engelskindern ein zu Hause geben in ihren Herzen.“

     

    Der Zwerg Hass lachte schallend und ging mit erhobener Faust auf den Engel Liebe zu, um ihn zu vernichten. Doch sein Hohn verging ihm, als er sah, dass sich die Engelskinder in Windeseile millionenfach vermehrten und nun den Engel der Liebe einhüllten und auf Händen trugen. Er konnte ihn nicht mehr erreichen.

     

    Da schlug die Uhr Mitternacht

    und das neue Jahr erwachte. Die Menschen schickten ihre Hoffnung auf den Weg und die Engelskinder trugen die Hoffnungsschimmer in ihren Haaren. Und immer wenn ein Mensch dem Hass und seinen Schergen sein Herz opfern will, findet er ein Funkeln und hat einen Ewigkeitsmoment Zeit zu überlegen, was er wirklich wählen will.

    Den Hass oder die Liebe.

     

    Autor: © Rasch Stein

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